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Gedanken auf der Bank

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Clarissa von Platen
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bei der Sonnenuhr

Kein Gut ist so gerecht verteilt wie die Zeit. Jeder Mensch - ob jung oder alt, arm oder reich - hat davon 24 Stunden täglich. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Warum also mangelt es uns an Zeit?  Nun, unser menschliches Streben gilt dem Wachstum. Von allem, was wir haben, wollen wir fortlaufend mehr, zum Beispiel Arbeitsqualität und Aufgabenvielfalt, freie Zeit und die abwechslungsreiche Beschäftigung darin. Daher achten wir ständig auf die Zeit und sind emsig bemüht, den zunehmenden Katalog unserer Wünsche zu bewältigen.


Wie schnell oder wie langsam dabei die Zeit vergeht, hängt von der Einteilung und der persönlichen, subjektiven Empfindung ab. Das Zeitverständnis eines dreijährigen Kindes etwa besagt: mehr anstrengen = mehr Zeit brauchen. Jeder bewertet Zeit nach seinen eigenen Maßstäben, nach Erfahrungen und Erlebnissen und nach dem Rhythmus seiner Persönlichkeit. Bei aller Verschiedenartigkeit haben die individuellen Zeitmaße dennoch eines gemeinsam: Sie müssen sich dem weltumspannenden Raster der von Kalendern und Uhren gemessenen Zeit unterordnen.

Uhren gibt es seit Jahrtausenden. Die Sonnenuhr half den Priestern im alten Ägypten, die Zeit für ihren Kult einzuhalten. Die Griechen und Römer überwachten mit Hilfe der Wasseruhr die Redezeit vor Gericht. Diese wurde vom Streitwert bestimmt, man mußte sie also gut nutzen. "Aquam perdere" heißt wörtlich übersetzt "Wasser verlieren", womit natürlich "Zeit verschwenden" gemeint ist. Mit der Sanduhr, ein Halbstundenglas, wurden in der Seefahrt der Wachwechsel der Seeleute und sogar die Schiffsgeschwindigkeit bestimmt: Dazu warf man eine  in bestimmten Abständen geknotete Leine ins Wasser und beim Einholen stellte man mit der Sanduhr fest, wieviele Knoten in welcher Zeit durch die Finger glitten.Während wir unser Leben und Arbeiten der Disziplin von Stunden und Sekunden unterwerfen, bleibt die Welt der Pflanzen von dieser unbehelligt und folgt ihrem eigenen Gleichmaß im Wechsel von Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Blüte, Wachstum und Gedeihen richten sich seit ewigen Zeiten nach den äußeren Einflüssen, sie fügen sich den Bedingungen von Standort, Boden, Klima und Pflege. Pflanzen begnügen sich mit der ihnen gegebenen Zeit, drängen stets zum Licht und nach Vollkommenheit, selbst wenn sie mit kargen Verhältnissen auskommen müssen oder mit klimatischen Unregelmäßigkeiten.

"Zeit ist Geld", klingt es uns hastig in den Ohren, indessen ein anderes Sprichwort philosophiert: "Zeit ist Leben, und Leben ist Zeit", und gewiß kommt es dabei auf das ausgewogene Spannungsverhältnis von Arbeitszeit und Freizeit an, um Lebensqualität zu erlangen. Wir Deutschen gelten als arbeitssam, aber auch als Weltmeister in Sachen Freizeit und Urlaub. Immer wichtiger wird uns dabei neben der Sinn-Frage auch gleichzeitig die Frage nach der Freude und dem Spaß. Gesundheit, Familie und Natur stehen in der Werteskala der Deutschen ganz oben, und rund 47 Prozent finden bemerkenswerterweise ihr Glück im Garten, denn dort erleben sie, daß bei der vielseitigen Beschäftigung mit und in der Natur unmittelbare Entspannung, Erholung und Freude einsetzen. Ja, mehr Zeit müßte man haben ...!

Bei der Sonnenuhr im Blumenparadies auf der Insel Mainau komme ich darüber leicht ins Nachdenken. In ihrer Nähe fühle ich mich seltsam berührt, ja von Unrast befreit und von ihrer Zeitlosigkeit dazu angeregt, meine persönliche Zeitbank und deren Konten wieder einmal zu überprüfen. Es ist eine stets fällige Maßnahme mit dem wiederkehrenden Versuch, dabei auch auf den Zeittakt meiner inneren Uhr zu hören. Das Resultat entspricht noch nicht exakt meinen Vorstellungen, stärkt aber mein Bewußtsein dafür, daß alles seine Zeit hat und seine Zeit braucht - auch jene für die gebotene Nachdenklichkeit.

©Clarissa von Platen