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Clarissa von Platen
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Wetterleuchten
Wetterleuchten

Wetterleuchten. Weiße Blitze weit hinterm Seerücken, hin und wieder ein heller Schein am Horizont. Der See liegt bleiern und lautlos, die Luft steht. Boote pflügen eilig ihrem Hafen entgegen. Sturmwarnung blinkt gelb im Achtertakt der Signale. Die Atmosphäre ist erfüllt von einer seltsamen Spannung. Darin scheint alles zu verharren, zu warten auf den Donner, den Wind, die ersten Regentropfen. Aber nichts dergleichen geschieht. Wetterleuchten, von einem durchaus nicht ungefährlichen Naturereignis in der Ferne hervorgerufen, wird als schaurig schönes Schauspiel aus sicherer Entfernung gerne beobachtet. Erstaunlich ist, dass man vom eigentlichen Geschehen auf der Naturbühne so gut wie gar nichts zu sehen bekommt, die Lichteffekte einmal ausgenommen. Auch hört man beim Wetterleuchten nichts von der Begegnung der Wetterfronten, nichts von Sturm und prasselndem Regen, Hagel, zuckenden Blitzen und Donnergetöse, und doch ist das Ereignis weithin spürbar und es erfaßt in seiner eigentümlichen Stimmung Mensch und Tier. Anders als bei alltäglichen Wetterlagen, steht man beim Wetterleuchten nicht vor der Bühne, sondern weit hinten in den Kulissen, die beim Aufscheinen der Blitze beleuchtet werden, oder als Scherenschnitte gegen den Horizont stehen.
Soll man seine Sachen zusammenraffen und aufbrechen? Wird der Wind das Gewitter herantreiben? Und wenn es kommt, muß man sich fürchten? Was weiß man schon übers Wetter und seine Zeichen!


Manchmal kommt es mir vor, als nähmen wir das Wetter nicht mehr als Naturerscheinung wahr, sondern nur noch als Information aus dem Wetterbericht. In den Medien als Quotenstar gefeiert und von hochqualifizierten „Wetterfröschen“ moderiert, ist der Wetterbericht Unterhaltungsprogramm nach dem Motto „Wer macht das schönste Wetter?“ und Werbeträger zugleich, aber auch Alibi für „wetterfühlige“ Naturen. Die Dauerberieselung mit Wetternews aus der ganzen Welt trägt zum Verwirrspiel bei und verschüttet unser natürliches Gefühl für die klimatischen Abläufe in unserer Umwelt. Schade eigentlich, daß wir uns damit auch um ein täglich neues Naturerlebnis bringen.


Das Aufeinanderprallen der “Wetter“ hat mich schon als Kind fasziniert, und unterschwellige Angst wurde vielleicht durch genaue Beobachtung der „Wetterzeichen“ zerstreut. Meine Brüder und ich betreuten eine kleine Wetterstation im Voralpenland und lieferten jeden Monat die Berichte für statistische Erhebungen an das Deutsche Wetteramt in München. Das Wetterhäuschen mit seinen zahlreichen Thermometern und Instrumenten stand 20 Meter vom Haus entfernt. Dreimal täglich wurden Messungen vorgenommen und mit anderen Beobachtungen in ein Tagebuch eingetragen. Dazu gehörten u.a. Zeitpunkt von Sonnenaufgang und Sonnenuntergang, Dauer des Sonnenscheins, Art und Menge der Bewölkung, Windrichtung und Windstärke, Art und Dichte des Niederschlags - wie Tau, Regen, Graupel, Hagel, Schnee, Raureif - und selbstverständlich auch die Erscheinungen eines Unwetters. Oft standen wir aufgeregt unter dem Vordach und notierten anhand der Stoppuhr die immer kürzer werdende Entfernung des herannahenden Gewitters. Die spannendsten Fragen waren immer, wann, aus welcher Richtung und mit welcher Wucht die Gewitterbö schließlich einsetzen und wie groß die Niederschlagsmenge ausfallen würde. Darüber wurden sogar Wetten abgeschlossen. Unsere Trefferquote konnte sich sehen lassen.



Durch die tägliche Beschäftigung mit den Wetterphänomenen auf diese Weise hat sich bei mir ein gutes Gespür für die regionale Wetterentwicklung gebildet, von dem ich bis heute profitiere. Für die persönliche Wetterprognose können allerdings auch Tiere und Pflanzen wichtige Hinweise geben, zum Beispiel der Frauenmantel. Hat er auf seinen Blättern während einer klaren Nacht dicke Tautropfen gesammelt, steht ein Sonnentag bevor. Als Vorzeichen für Regenwetter hingegen faltet der Klee seine Blätter zusammen und lässt die Blütenköpfe hängen, während die Winde ihre Blüten eindreht. Wenn die Schwalbe hoch fliegt oder zwei Krähen ihre Schnäbel kreuzen, bleibt es Schönwetter, sagt der Volksmund. Das Körnchen Wahrheit dieser wie auch anderer Bauernregeln sucht man freilich am besten im eigenen Erfahrungsschatz.
Lassen wir also unsere eigenen Beobachtungen ins tägliche Wetterempfinden einfließen, hängen wir uns nicht abergläubisch oder gar ängstlich an übertrieben detaillierte Vorhersagen, und nehmen wir das Wetter wie es kommt. Natürlich schön ist es immer.


© Clarissa von Platen