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Clarissa von Platen
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Ans Licht




Ans Licht



Die Buchenscheite prasseln im offenen Kamin, Flammen züngeln blau, grün und gelb aus der Glut und verbreiten Wärme und Geborgenheit. Es ist früher Abend, draußen bläst ein schneidender Ostwind durch die kahlen Eschen. Wer noch unterwegs ist, dem schlägt die eisige Schärfe des Winters knallhart ins Gesicht, der Straßenzustandsbericht warnt vor Eisglätte. Als der kälteste Monat im Jahr und obwohl er hochnebelschwer eine Belastung für zarte Gemüter darstellt, punktet der Februar dagegen mit so zahlreichen Vorzügen, dass seine niedrigen Temperaturen, die in unseren Breiten am See meist um und ein wenig unter dem Gefrierpunkt liegen, auch Pessimisten nicht mehr wirklich verdrießen können. Der Februar ist nämlich ein Lichtblick. Er ist stur, und beharrlich verfolgt er sein Ziel, auch wenn er manchmal aus der Spur läuft, immer nur strebt er dem Licht entgegen, das zieht uns mit.


Wir haben es kaum bemerkt, aber die Weihnachtsbeleuchtung ist verschwunden, die Kerzenzeit geht allerorten in die Endrunde, ‚Mariä Lichtmess’ am 2. Februar und die Kerzenweihe bilden das religiöse Finale der dunklen und den häuslichen Tätigkeiten gewidmeten Jahreszeit, die mit den länger werdenden Tagen dahinschmilzt wie Schnee im Föhnsturm. Doch aufgepasst, wie heißt es so schön in einer Bauernregel:
„Wenn's an Lichtmess stürmt und schneit,
ist der Frühling nicht mehr weit;
ist es aber klar und hell,
kommt der Lenz wohl nicht so schnell.“

Auf dem bäuerlichen Land markierte bis ins 20. Jh. hinein für Mägde und Knechte ‚Mariä Lichtmess’ traditionsgemäß den Wechsel der Arbeitsstelle oder deren Fortbestand. Auch für die Handwerker war der 2. Februar ein wichtiger Stichtag, dann gingen sie nach der Winterpause wieder auf die Walz. In meiner Kindheit kam im Februar immer eine sogenannte Sterschneiderin zu uns ins Haus. Die alte ‚Singer’ wurde vom Dachboden in die warme Wohnküche ans Fenster getragen, wo die Schneiderin ein bis zwei Wochen lang die Flickwäsche in Ordnung brachte, Hemdkrägen umdrehte, Röcke, Kleider und Hosen änderte. War sogar ein neues Kleidungsstück vorgesehen, nähte sie es immer zum Abschluss, so nach dem Motto: erst die Arbeit, dann das Spiel. Die Vorfreude darauf war immens und kam mir vor wie ein Fenster mit wundervoller Aussicht in die Zukunft.



Genauso ist der Februar, er weckt die Vorfreude, unterstützt den Optimismus und nährt die Hoffnung. Das Licht kommt zurück, es geht wieder aufwärts, die Stimmung steigt und gibt der Energie einen kräftigen Schub. Schluß jetzt mit der Stubenhockerei, genug geräumt und ausgemistet, Ende der winterlichen Lethargie. Angesagt ist die Ablösung der Düsternis, die Fasnacht hilft dem Lebensnerv wieder kräftig auf die Sprünge, die Liebe erhält neuen Schwung, nicht nur am Valentinstag.



Die Sonne spiegelt gleißendes Licht auf den zugefrorenen Teich, das Eis schimmert im Blau des Himmels, schon tschilpen die Vögel, sie sind auf Partnersuche und prüfen die Nistkästen. An windgeschützten Stellen im Garten haben Schneeglöckchen ihre Blüten ans Licht geschoben, bald folgen die gelben Sterne der Winterlinge als Auftakt für die zarten Farbharmonien des Vorfrühlings. Die Erwartung der hellen Zeit beflügelt Gartenplaner wie Modeschöpfer gleichermaßen zu immer neuen Kreationen der Lebensfreude.



Das und vieles mehr, vor allem das Licht, steckt im Februar. Das Licht ist attraktiv, es weist nach oben, es zieht in die Höhe, ermuntert das Wachstum und die Welt der Gefühle. Alles will ans Licht.



copyright Clarissa von Platen