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Clarissa von Platen
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Über die Quitte
Quitten -
        Die Kydonischen Äpfel
                         
        Immer gut für eine Liebeserklärung

Die Quitte ist mir stets in allerbester Erinnerung geblieben, auch wenn sie eine Zeitlang im Obstsortiment der Wochenmärkte verschwunden war. Ich räume ihr wohl deshalb einen Sonderstatuts ein, weil ihr aromatischer Duft und noch mehr der köstliche Geschmack von Gelee oder Marmelade in mir nostalgische Gefühle an die Kindheit wecken. Es war die schlechte Zeit nach dem Kriege, und immer wenn es Herbst wurde, hingen verheißungsvoll die "Kydonischen Äpfel" wie goldgelbe Lichter im Quittenbaum und verbreiteten gleichsam mit ihrem Duft die Vorfreude auf die Einmachzeit und das Weihnachtsfest, an dem wir endlich von dem leckeren Quittenbrot naschen durften. 
Mit der neuerlich empfundenen Lust in und am Garten kommt wieder viel Ursprüngliches und Traditionelles zurück, und so hat auch die Quitte wieder an Boden gewonnen. 


Die Quitte (Cydonia oblonga) - auch Chüttene, Kido und Baumwollapfel genannt - zählt zu den ältesten Kulturpflanzen und gehört wie Apfel und Birne zu den Rosengewächsen (Rosaceae). Sie hat ihre Heimat in Kleinasien und dem angrenzenden Mittelmeergebiet. In Griechenland waren die "Kydonischen Äpfel" hochgeschätzt, weit mehr als der Apfel vom Baum der Erkenntnis, erzählt Marianne Beuchert in ihrem Buch über die "Symbolik der Pflanzen" und beschreibt sie als ein Symbol der Liebe und Fruchtbarkeit. "Kydonische Äpfel essen", so führt die Autorin aus, war ein Synonym für Liebesgenuß, und diese Vorstellung begleitete die Frucht in das nördliche Europa, in das sie mit den Römern gelangte. Diese hatten die Quitte auf Kreta in der Stadt Kydonia entdeckt.


Im östlichen Mittelmeerraum entwickeln die Früchte wegen der günstigen Klimaverhältnisse und dem Überfluß an Sonne einen weit höheren Zuckergehalt als bei uns. Die alten Griechen bereiteten Honig aus der Quitte, ein süßes Gelee, das sie 'melimelon' nannten. Daraus - so weiß es Heinz-Dieter Meier in seinem Buch "Frische Früchte aus nah und fern" - entstand der portugiesische Name 'marmelo' und in der Folge unsere Bezeichnung Marmelade. Aber zurück zur Süße.




In ihrer Süße liegt auch Bitternis

Im alten Athen war die Quitte fester Bestandteil einer Hochzeit. Solon (ca. 640-561) hat hierfür sogar ein Gesetz erlassen und für Brautleute bestimmt, daß sie vor der Brautnacht gemeinsam eine Quitte essen müßten. Warum? Weil die Früchte einen wundervollen Wohlgeruch und einen süßen, lieblichen Geschmack haben, aber mit einer sehr herben, bitteren Beimischung. Auch etwas Zusammenziehendes sei ihnen zu eigen. Alles in allem ein Vorgeschmack der Leiden und Freuden der Ehe. So jedenfalls deutete Solons Biograph Plutarch diese Vorschrift für das Hochzeitsritual. Die Quitte gilt auch bei uns als Fruchtbarkeitssymbol, und nach Marianne Beuchert wird die Gabe einer Quitte immer als Liebeserklärung, die Annahme als Einverständnis gewertet. In England hingegen ist sie ein Symbol verachteter Schönheit, was am dortigen Klima und der geringen Sonneneinstrahlung liegen könnte. 




Quitten lieben Sonne und Wasser

In rauen Lagen sollten Quittenbäume unbedingt in geschützten Ecken oder in der Nähe von Mauern gepflanzt werden. In mildem Klima fühlen sie sich an freien, sonnigen Standorten besonders wohl. 
Quittenbäume befruchten sich selbst, so daß nur ein Baum oder Strauch gepflanzt werden muß. Quitten bevorzugen leichten, nährstoffreichen und nicht zu trockenen Boden. Gute Standorte sind solche in der Nähe von Teichen und Bachläufen. Nach der Ernte kann man die Krone leicht auslichten, doch ist dabei Zurückhaltung geboten. Im Frühjahr sind Quittenbäume in ihrem duftigen Blütenkleid von großen weißen oder leicht rosafarbenen Blüten ein herrlicher Anblick. 


Von den etwa 30 Sorten werden die Früchte selten roh gegessen. Birnenquitten sind weicher im Fruchtfleisch und leichter zu verarbeiten, während die harten Apfelquitten ein ausgeprägteres Aroma besitzen. Die Früchte reifen nach der Ernte während einer Lagerzeit von 2-3 Monaten an einem kühlen Ort nach. Dabei sollte man sie wegen ihres intensiven Aromas von anderen Obstsorten getrennt halten. Wegen ihres hohen Pektingehaltes eignen sie sich hervorragend zur Bereitung von Gelees und Marmeladen sowie als Beigabe und Aromaspender bei der Herstellung anderer Fruchtgelees. 


Häufig in Hausgärten zu bewundern sind im Frühjahr die in vielen Schattierungen von rosa bis rot blühenden Zierquittensträucher (Choenomeles japonica). An ihren sparrigen Ästen tragen sie im Herbst kleine gelbe, harte Früchte, die zu wohlschmeckenden Chutneys verarbeitet werden können. Ich persönlich bevorzuge sie wegen ihrer langen Haltbarkeit als farbigen Blickfang für dekorative Gestecke.

©Clarissa von Platen